Zukunft der Arbeit

Automatisierung – Digitalisierung – Roboter

Grüner Themenbrunch am Sonntag, 29. Nov im „Montescudaio“ 

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Die freundlichen Roboter haben es auf unsere Jobs abgesehen!

Schwierige Zeiten kommen auf Millionen von Arbeitnehmern zu, wenn man dem Material glauben mag, das Stefan Geißler für seinen Vortrag beim Grünen Themenbrunch am vergangenen Sonntag im Montescudaio in Neckargemünd zusammengetragen hatte. Nach den Themen Flüchtlinge und dem Freihandelsabkommen TTIP der vergangenen Themenbrunch-Vormittage ging es diesmal um eine Bestandsaufnahme beim Thema Automatisierung und was diese in Bälde für die Beschäftigung in Deutschland und vielen weiteren Ländern bedeuten könnte.

Denn da kommt in der Tat was auf uns zu, suggerierten einige der zitieren Studien, die für die nächsten zwanzig Jahre vorhersagen, dass zwischen 40 und 50 Prozent der heutigen Beschäftigungsverhältnisse dann nicht mehr konkurrenzfähig sein könnten, da Maschinen die entsprechenden Arbeiten bald so zuverlässig und billig erledigen könnten, dass Menschen hier kein Auskommen mehr finden könnten. „Humans need not apply“: Menschen brauchen sich gar nicht mehr zu bewerben, so der Titel eines eindringlichen Films, der das Thema anschaulich auf den Punkt brachte. Auch die Reitpferde vergangener Jahrhunderte haben im Verkehr heute keinen Platz mehr. Nicht etwa, weil sie faul oder vermessen in ihren „Lohnforderungen“ geworden wären, sondern schlicht, weil Maschinen (Autos) ihre Aufgaben heute längst rascher, sicherer und kostengünstiger erledigen. Könnte uns Menschen bald dasselbe Schicksal drohen?

Zum Beginn des Vortrags hatte Geißler an die Anwesenden zwei Texte ausgeteilt, unauffällige Berichte über Kreisligafußballspiele. Der Clou: Einer der beiden Texte war das Werk einer Maschine. Bei der Abstimmung, welcher Text das sein könnte, waren die Anwesenden sehr gespalten und votieren jeweils zur Hälfte für den einen und zur Hälfte für den anderen Text. Maschinen, so die Lektion, können heute längst nicht mehr nur Schweißpunkte am Fließband setzen, sondern strecken ihre Fühler inzwischen auch nach intellektuellen Tätigkeiten wie Journalismus oder bestimmten ärztlichen oder anwaltlichen Tätigkeiten aus.

Aber war es nicht bisher immer so, dass für wegfallende Tätigkeiten an anderer Stelle auch neue Jobs entstehen? Schließlich sind derzeit so viele Menschen in Deutschland in Lohn und Brot wie nie zuvor, obwohl – oder weil? – es Roboter in der Industrie bereits seit Jahren gibt? Diese Hoffnung, die viele der Anwesenden äußerten, stand allerdings im Wiederspruch zu der schieren Zahl an gefährdeten Arbeitsstellen, die sich bald schon automatisierter Konkurrenz stellen müssen: Busfahrer oder Buchhalter um nur zwei von einer Vielzahl von Berufen zu nennen, werden, so die Meinung maßgeblicher Ökonomen, zu über 90% in den nächsten 20 Jahren durch Automaten ersetzt werden. Und auch wenn das Bild gespalten bleibt und unterschiedliche Berufsgruppen sehr unterschiedlich von dieser Entwicklung betroffen sein werden: Die Aussicht, dass die Arbeitslosigkeit hierzulande von derzeit unter 5% auf ein vielfaches nach oben schnellen könnte, darf Gesellschaft und Politik nicht kalt lassen.

Was tun also? Die Bestandsaufnahme bei der Suche nach möglichen Antworten ergab, dass Regierungen, Parteien und die Gesellschaft als solche derzeit noch lange nicht ausreichend auf derartige Szenarien vorbereitet sind. Derzeit heißt Arbeitslosigkeit recht bald Hartz IV mit dem Grundsatz „Fördern und Fordern“, also dem Beharren, dass die Betroffenen sich intensiv um eine neue Stelle bemühen müssen. Was aber wenn es diese Stellen einfach in so großer Zahl nicht mehr gibt, dass das „Fordern“ nur noch zynisch wäre? Vieles spricht derzeit dafür, dass ein Teil der Antwort in einer Wertschöpfungsabgabe liegen könnte, also der Vereinbarung, dass Kollege Computer in Zukunft sich ebenso an der Finanzierung unseres Gemeinwesens beteiligen müsste, wie die Menschen, die er eventuell verdrängt. Die aufkommenden Mittel würden dann für die Bezahlung ansonsten unwirtschaftlicher Tätigkeiten etwa im sozialen Bereich sowie für die aus dem Erwerbsprozess verdrängten Menschen eingesetzt werden können. Dass keine der großen Parteien eine solche Überlegung derzeit im Programm hat zeigt, wie weit hin es noch zu einer überzeugenden Strategie für eine digitalisierte Arbeitswelt ist.

So unklar die vorstellbaren Reaktionen auf diese sich abzeichnenden Entwicklungen sein mögen. Am Ende der lebhaften Diskussion nahmen die Zuhörer auch wichtige Erkenntnisse nach Hause: „Eines jedenfalls weiß ich: Ich werde meinen Kindern raten, nicht Busfahrer oder Buchhalter zu werden.“

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