Alles ohne Kohle und Öl!

Peter Kania skizziert bei den „Neckargemünder Gesprächen“ eine Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe

Ein wahres Feuerwerk an Fakten rund um unser heutiges und unser zukünftiges Energiesystem hatte Peter Kania am Sonntag dem 10.11. bei den Neckargemünder Gesprächen der örtlichen Grünen im Jakobssalon in der Neckargemünder Altstadt abgebrannt. Folie um Folie wurde den Besucherinnen und Besuchern klarer, hier weiß jemand wovon er spricht: Eine Energieversorgung mit erneuerbaren Energien, die auf fossile Brennstoffe verzichtet, ist nicht nur dringend geboten, sondern auch machbar.

Peter Kania bei seinem Vortrag im Jakobssalon

Eine kompetente Betrachtung dieser Fragen tut Not, denn oft liest und hört man: Unrealistisch, zu teuer, eine Gefahr für den Standort Deutschland, „Zappelstrom“, „zu wenig Speicher“. Kania, selbst promovierter Physiker und Elektro-Mobil Enthusiast, bei dem auch das eigene Haus zu einem kleinen Solar-Kraftwerk ausgebaut wurde, räumt detailreich und geduldig mit zahlreichen Mythen und Missverständnissen auf.

Zunächst legte er dar, dass der fossile Energiemarkt mit Kohle, Mineralöl und Gas in Deutschland für ca. 90% des CO2-Ausstoßes im Land verantwortlich ist. Jede Strategie die CO2 Emissionen reduzieren will, muss also beim Verbrauch fossiler Energieträger ansetzen. Derzeit stammt nach wie vor erst ca. 19% des Energieverbrauchs in Deutschland aus erneuerbaren Quellen. CO2 Zertifikate seien das richtige Mittel, seien aber noch zu günstig. Zumal CO2 Emissionen erhebliche Umweltkosten verursachen würden. Noch ein weiter Weg für Deutschland, nachdem die Klimaziele für 2020 wohl nicht erreicht werden.

In den nächsten Jahren müsse die erneuerbare Stromerzeugung durch Speicherung von Energie ergänzt werden, so Kania. Hier kommen Batterien für Speicherung von einigen Tagen und Ökogas aus Power-to-Gas Anlagen für die Speicherung von Sommer nach Winter in Frage. Mit ständig fallenden Kosten und steigender Leistungsfähigkeit sind hier weiter große Fortschritte zu erwarten. Wichtig sei es aber verfügbare Technik auch einzusetzen, zum Beispiel in der Wasserstoffproduktion.

Klassenletzter bei der Erreichung der Klimaziele in Deutschland ist übrigens nach wie vor der Verkehrssektor führte Kania weiter aus. Die Emissionen verharren dort fast unverändert auf dem Stand von 1990. Hier müsse ein schnelleres Umsteuern stattfinden, da batterieelektrische Antriebe technisch verfügbar sind. Wasserstoff im PKW aber, von vielen Elektro-Skeptikern immer wieder ins Spiel gebracht, sei nach Ansicht von Experten mit zu großen Verlusten behaftet, das Batterieauto sei 5 mal effizienter. Wasserstoff werde allerdings im Bereich Gütertransport (LKW, Schiffe) als möglicher Antrieb gesehen.

Im privaten Haushalt kann man selbst etwas für Klimaschutz tun, wenn die Möglichkeit der Installation einer Dach-Solaranlage besteht. Drastisch gefallene Kosten ermöglichen es, auch im privaten Bereich von einer eigenen Stromproduktion zu profitieren. In Zukunft können Stadtwerke mit „Smart-Metering“ auch Tarife anbieten, die den Verbrauch von grünem Strom bevorzugen. Und man könne damit wohl eigenen Strom vom Dach auch nach den 20 EEG-Jahren verkaufen.

Eine komplexe Herausforderung, diese Energiewende, sowohl für die Politik wie auch für Verbraucherinnen und Verbraucher; soviel war allen Anwesenden gegen Ende des Vortrages klar. So waren die Anwesenden für ein paar Empfehlungen zum Schluss sehr dankbar: Möglichst morgen gleich zu einem zertifizierten Anbieter von Ökostrom wechseln, wer das nicht schon längst gemacht hat. Das sei die naheliegendste und einfachste Handlungsmöglichkeit: Postkarte genügt. Ein wenig aufwändiger aber ebenfalls tausendfach erprobt: Den eigenen Haushalt auf das Potential überprüfen, für die Wärmeerzeugung auf erneuerbare Energien (Wärmepumpe, Pelletheizung, Solarthermie) umzusteigen. Zum Abschluss erinnerte deshalb Kania an die „energietage“, eine Messe für erneuerbare Angebote im lokalen Handwerk, die es in Neckargemünd vor Jahren gegeben habe. Seither habe sich so viel getan auf diesem Sektor, eigentlich sei es Zeit, eine solche Messe wieder neu aufzulegen. 

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